Freitag, 29. Januar 2016

Hörspiel: Bastian Pastewka und Komplizen in "Paul Temple und der Fall Gregory" von Francis Durbridge


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Für unsere Eltern und Großeltern war der britische Krimiautor Francis Durbridge der Held im Deutschland zur Wirtschaftswunderzeit. Die Mehrteiligen TV-Krimis die im Fernsehen liefen und auf seinen Romanen beruhten waren sogenannte "Straßenfeger", bis heute noch hält der aus dem Jahre 1962 6-teilige Krimi "Das Halstuch" mit einer Einschaltquote von sagenhaften 89% den einsamen Rekord mit der höchsten Einschaltquote (wobei man fairerweise sagen muß das es damals nur zwei Fernsehprogramme gab die zudem nur Stundenweise gesendet haben). Das Wort "Durbridge Krimi" war so was wie ein Gütesiegel, in den 1970iger Jahren ebnete die Begeisterung allerdings etwas ab.

Was viele nicht wissen: Francis Durbridge war nicht von Anfang an Romanautor, seine Wurzeln liegen vielmehr im Radiohörspiel. In den 1930iger Jahren fing er bei der britischen BBC an und entwickelte dort die Hörspielreihe um den fiktiven Romanschriftsteller und Hobbydetectiv Paul Temple und seiner Frau Steve (kein Fehler - die Frau hat tatsächlich einen Männernamen). 1938 sendete die BBC den ersten Paul Temple Krimi "Paul Tempel und der Fall Gregory", weitere sollten folgen. Nach Deutschland kam die Krimireihe - politisch bedingt - etwas später. Im Jahre 1949 sendete der NWDR die Deutsche Version von Paul Temple und landete im Nachkriegsdeutschland einen Hörfunkhit. Zu einer Zeit wo Deutschland in Trümmern lag, die BRD gerade frisch gegründet war und es kein Fernsehen gab und das Geld für Theater und Kinobesuche etwas knapp war waren Radiohörspiele eine beliebte Ablenkung am Abend, denn ein Radio hatte faktisch jeder. Auch der NWDR (später nach der Auftrennung zu NDR und WDR der WDR alleine) produzierte mehrere Folgen der Hörspielreihe die fast alle mittlerweile auch auf CD erhältlich sind.

Warum "fast alle" ? Nun, das erste Abenteuer "Der Fall Gregory" ist leider verschollen, das Band mit der Produktion ist nicht mehr auffindbar (es wurde wohl entweder gelöscht oder zerstört) und auch das original Sendemanuskript ist zu Teilen vernichtet worden. Auch bei der BBC ist es nicht besser, da wurde ebenfalls das Band gelöscht und das Manuskript weggeworfen. Lediglich eine Version des Norwegischen Radios ist erhalten geblieben die für die Rekonstruktion zusammen mit den erhaltenen Teilen des Originalmansukriptes herangezogen wurde.

Auftritt Bastian Pastewka: Der bekennde Hörspiel- und Durbridge Fan war sofort dabei als es hieß dem verschollenen Hörspielklassiker neues Leben einzuhauchen. Wer jetzt eine Humoristische Annäherung an das Thema erwartet liegt etwas falsch, denn Pastewka ist die Sache Ernst und mit eben diesem gehen er und seine "Komplizen" (Inga Busch, Janina Sachau, Alexis Kara, Kai-Magnus Sting) an diese Aufgabe ran - und genau darin wiederum liegt der Humor. Denn in den Frühtagen des Radiohörspiel lagen die Parameter einer Inszenierung etwas anders als heute. So gibt es billig klingende Soundeffekte (das Motorengeräusch eines Autos ist z.B. Mundgemacht) und wenn sich Paul und Steve mit großem Pathos Liebesschwüre entgegenhauchen hat das schon einen unfreiwilligen Humor. Zu allem Überfluß wird dann mittendrin noch ein nettes Schlagerliedchen geträllert - ja so waren die alten Zeiten der Radiounterhaltung im jungen Deutschland.

Damit das ganze nicht zu Ernst wird gibt es immer wieder Unterbrechungen wo Pastewka mit seinen Mitstreitern Grundsatzdiskussionen über die Art des Hörspiels führt - wobei man sich irgendwann fragt ob der Ernst der Sache den Pastewka hier offen zur Schau trägt nun gespielt ist oder ob er das wirklich so meint. Witzig ist auf jeden Fall die eingebaute Michael Bay mäßige Actionszene die natürlich von Pastewka umgehend gestoppt wird.

"Paul Temple und der Fall Gregory" mag sicherlich nicht so lustig sein wie manch einer erwarten würde (wobei Humor eh so eine persönliche Geschmacksfrage ist) aber es ist lockere witzige Unterhaltung über die Anfangstage der Radiounterhaltung. Das man der komplizierten Handlung kaum folgen kann spielt dabei überhaupt keine Rolle - der Weg ist das Ziel, wie man so schön sagt.

Der WDR bietet das zweiteilige Hörspiel kostenlos auf seiner Webseite an. Wer sich jedoch sagt Was nix kostet ist nix der kann auch im Buchhandel seines Vertrauens die CD Fassung vom Hörverlag kaufen - jeder wie er mag.

Von Francis Durbridge
Produktion: WDR/SWR 2014
Regie: Leonhard Koppelmann
Redaktion: Martina Müller-Wallraf

Donnerstag, 28. Januar 2016

Free Music: Rihanna "Anti"


Um direkt die Fronten klarzustellen: Ich mag Rihanna Musikalisch gar nicht, ist absolut nicht mein Ding. Aber diese Aktion ist für den Rang den sie hat schon cool. Denn Rihanna verschenkt ihr neues Album "Anti" kostenlos. Kein Scherz. Warum, weshalb und wieso kann ich nicht sagen, sie tut es halt einfach.

Der Free Download kommt über den Streamingdienst TIDAL von Jay-Z, an dem Rihanna Anteile besitzt. Wie lange der Free Download Online bleiben wird kann man nicht sagen, also wer will der kann und soll. Ich habe es versucht aber irgendwie will das ganze bei mir nicht funktionieren (ich gebe zu - ich war neugierig obwohl ich sie nicht mag).

Nun gut ---> HIER der link zu "Anti" - viel Spaß damit.

UPDATE
Nach 24 Stunden ist die ganze Aktion auch schon wieder vorbei, aber zumindestens kann ich jetzt sagen das meine Probleme mit dem Browser zusammenhingen, denn so wie es aussieht mag Tidal Firefox nicht...egal, dann eben nicht.

Kam über Spiegel Online rein, bei den Blogrebellen ist es auch Thema und laut berichtet natürlich auch darüber.

Sonntag, 24. Januar 2016

Album Kritik: Steven Wilson "4 ½" (Kscope Music)


Foto: Lasse Hoile
Design: Carl Glover
Copyright Kscope Music 2016
Quelle: öffentlicher Presedownloadbereich von Kscope Music

Trackliste
01 My Book of Regrets 9:23
02 Year of the Plague (instrumental) 4:15
03 Happiness III 4:31
04 Sunday Rain sets in (instrumental) 3:50
05 Vermillioncore (instrumental) 5:09
06 Don´t hate me 9:34

Musiker
Steven Wilson - Gesang, Gitarre, diverse Synthesieser und Effektgeräte, Minimoog, Mellotron
Adam Holzman - Keyboards, Piano
Nick Beggs - Bass
Dave Kilminster - Gitarre (Track 1 & 6)
Guthrie Govan - Gitarre (Track 3)
Craig Blundell - Schlagzeug (Track 1, 5 & 6)
Marco Minnemann - Schlagzeug (Track 3)
Chad Wackerman - Schlagzeug (Track 4)
Theo Travis - Saxophone (Track 6), Flöte (Track 4 & 6)
Ninet Tayeb - Gesang (Track 6)

Alle Titel geschrieben, produziert und abgemischt von Steven Wilson
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Resteessen mit Steven Wilson - schmeckt gut hat aber einen bitteren Beigeschmack

Das Wort "Albumkritik" führt etwas in die Irre denn ein Album ist "4 ½" beileibe nicht - auch wenn Steven Wilson wie bei dem von mir besuchten Konzert in Luxemburg betont das dies durchaus ein Album mit vollwertigen Songs sei. Nur eben ein kurzes....ein sehr kurzes sogar - gerade einmal etwas mehr als 37 Minuten Laufzeit hat das ganze, zieht man den bekannten Song "Don´t hate me" ab bleiben gerade mal 26 Minuten neue Musik. Das ist Quantitativ schon etwas schwach, dafür stimmt die Qualität.

Zunächst die Fakten: "4 ½" beinhaltet vier Songs die in der Vergangenheit bei diversen Albenproductionen beim Produktionsprozess liegen geblieben sind (wobei Wilson ebenfalls beim Luxemburgkonzert betonte das dies keine "Reste" seien sondern vollwertige Songs die eben nicht auf das jeweilige Album gepasst hätten). Zwei Songs stammen von "Hand. cannot. erase." ("My Book of Regrets" und "Sunday Rain sets in"), einer von "the Raven that refused to sing" ("Year of the Plague") und einer von "Deadwing" ("Happiness III"). "Vermillioncore" ist neu, geschrieben wurde er 2013. Dazu gesellt sich eine Neuaufnahme von "Don´t hate me", den zweiten Song aus Wilsons Porcupine Tree Zeit der nun von ihm solo neu aufgenommen wurde.

Der Einstieg ist grandios und dürfte einigen Fans die in letzter Zeit ein Konzert von Steven Wilson besucht haben bekannt vorkommen - denn "My Book of Regrets" ist seit Mitte September 2015 fester Bestandteil der Setliste. Der Song erinnert ein klein wenig an "Time flies", was vor allen Dingen an der Wiederverwendung des gleichen Gitarrenriffs in der Mitte liegt. In neuneinhalb Minuten bekommt man Steven Wilson in Reinkultur serviert - eine schöne poppige Melodie, verpackt in einen wilden Ritt aus harten und zarten Gitarrenpassagen und dazu seine altbekannten laut/leise, schnell/langsam Spielchen. Ein verdammt guter Song mit Ohrwurmqualitäten, der sich auf dem Hauptalbum "Hand. cannot. erase." sicherlich gut gemacht hätte.

"Year of the Plague" ist ein nettes Ambientartiges aber ziemlich melancholisches Zwischenstück das aber durchaus zu Recht beim Ravenalbum unter den Tisch gefallen ist - es klingt zwar schön aber irgendwie kann ich mir diesen Song auf den Album nicht vorstellen, Melanchlolie hin oder her. Das gleiche gilt für "Happiness III" das einmal mehr die etwas poppige Seite von Steven Wilson zeigt - beweist er hier wieder einmal das er durchaus Radiofreundlich produzieren kann. Ebenfalls ein guter Song, aber auf der "Deadwing" wäre er definitv ein Fremdkörper gewesen.

"Sunday Rain sets in" ist nochmal eine Art Ambientartiges Zwischenspiel - nett aber auch etwas nichtssagend. Mit "Vermillioncore" gibt es dann ein sehr gutes aber leider auch zu kurz geratenes Stück Progrock der gut nach vorne geht und vor allen Nick Beggs viel Raum für seinen Bass gibt, echt schade das der Song bereits nach fünf Minuten zu Ende ist. Am Ende dann eine Neueinspielung von "Don´t hate me" - das Arrangement ist etwas verfeinert worden, ansonsten ist die größte Änderung das der Refrain jetzt von Ninet Tayeb gesungen wird was wirklich gut klingt. Dann ist das ganze auch schon wieder vorbei.

Ich stehe diesem Release etwas Zwiegespalten gegenüber. Produktionstechnisch gibt es hier nix zu meckern, es klingt einfach großartig vor allen wenn man bedenkt das einige Songs auf Liveversionen basieren - "My Book of Regrets" wurde zum Beispiel beim Montreal Konzert aufgenommen und dann im Studio vefeinert. Auch das Songmaterial ist größtenteils sehr hochwertig und bekräftigt nochmal den Ruf das selbst die Reste bei Steven Wilson immer noch eine bessere Qualität haben als der reguläre Output bei anderen Künstler. Auch das bemühen das ganze eben nicht wie eine Resteverwertung klingen zu lassen ist ehrenwert - so gehen die Songs fast alle ineinander über und geben so einen schönen Tripcharakter.

Trotzdem hat man irgendwie das Gefühl das hier was Veröffentlicht wurde nur um eben was zu veröffentlichen. Es läßt sich bei aller Fanliebe nicht verleugnen das man merkt das die Songs aus verschiedenen Perioden stammen und das der rote Faden Naturgemäß fehlt (was auch logisch ist - es ist halt Resteessen). Zudem fällt immer mehr auf das Steven Wilson eine Art "Treatmark Sound" entwickelt, einfach weil viele Harmonien typisch nach ihm klingen (einfach mal blind "Sunday Rain sets in" hören - dann weiß man was ich meine, das Teil ist so typisch für ihn und seinen momentanen Sound). Auch wenn Steven Wilson es nicht gerne hört - "4 ½" ist kein vollwertiges Album sondern bestenfalls eine bessere Maxi CD mit zwei großartigen Stücken ("My Book of Regrets" und "Vermillioncore"), drei Qualitativ guten Mitläufern sowie einer Neueinspielung die zwar gut klingt, deren Sinn sich aber nicht so ganz erschließt weil sie Musikalisch zu ähnlich am Original ist (wie auch vor einigen Monaten die Neuversion von "Lazarus").

"4 ½" ist reinrassiges Fanfutter - wer Wilson mag der wird sicherlich seine helle Freude an diesem kurzen Minialbum / EP / Maxi CD (call it what you want) haben. Diese Art von Resteverwertung ist bei Wilson nix neues und altbekannt, ein etwas schaler Nachgeschmack bleibt aber bestehen. Denn die Frage lautet wirklich: Mußte das sein ? Wäre das ganze nicht als ein Bonus für eine Live DVD oder beim nächsten regulären Album besser aufgehoben gewesen ? Zumal der Ladenpreis für diese Veröffentlichung durchaus recht hoch ist - um die 14 Euro für die CD und über 25 Euro für die Vinylfassung ist schon für das was drin ist eine Menge Holz (irgendwelche Sonderangebote habe ich jetzt nicht berücksichtigt).
Eine 7/10 ist trotz der Kritikpunkte dicke drin - sofern man Fan ist.

Das Album ist bei Kscope Music erschienen - als Cd im Digipack in einem ausgestanzten Schuber, als einfach Vinyl, als Blu-Ray Audio (mit vier Bonustracks) sowie als Download.

Freitag, 22. Januar 2016

Free Music: Kscope Sampler Vol. 7


Das Britische Kscope Label ist wieder so nett und gibt uns Hörern einen neuen Sampler mit Stücken aus den letzten Veröffentlichungen. Die Trackliste liest sich erwartungsgemäß sehr gut

1) Steven Wilson - My Book of Regrets (from 4 1/2)

2) TesseracT - Messenger (from Polaris)

3) The Receiver - Transit (from All Burn)

4) Nordic Giants - Rapture (feat Beth Cannon) (from A S?ance Of Dark Delusions)

5) Bruce Soord - Willow Tree (from Bruce Soord)

6) Gazpacho - Know Your Time (from Molok)

7) North Atlantic Oscillation - Wires (Steven Wilson remix) (from Glare EP)

8) The Anchoress - You & Only You (feat Paul Draper) (Edit) (from Confessions Of A Romance Novelist)

9) Sweet Billy Pilgrim - Slingshot Grin (from Motorcade Amnesiacs)

10) Nosound - I Miss The Ground (live) (from Teide 2390)

Den Free Download gibt es bei Noisetrade - nicht verrückt machen lassen mit diesem Facebook Einloggen Button oder Free Account Eröffnung, der Download ist auch ohne diesen Kram möglich auch wenn dies nur ganz klein ganz unten steht. Einfach e-mail Adresse hinterlegen und dann kommt der Sampler (bzw der Downloadlink) ins elektronische Postfach.

Kam über den offiziellen Twitter Account von Kscope rein

Donnerstag, 21. Januar 2016

Zwei kostenlose Sampler von Crème Organization


Das Niederländische Label Crème Organisation, im Jahre 2000 von DJ TLR gegründet, darf man gerne als etwas...nun ja...seltsam bezeichnen. Ich persönlich fragte mich immer ob die Musik die dort veröffentlich wird nun aktuell produziert wurde oder so rund 20-25 Jahre in irgendwelchen Schubladen rumlagen. Mit anderen Worten: Old School Techno. Hier brummt die Bassdrum noch so richtig fett, die Hi-Hats zischen ohne Ende und alles klngt unglaublich altbacken, manchmal sogar mit der guten alten TB303 die nette Acidlines von sich gibt.

Einige Zeit war das Label durchaus ziemlich heißer Scheiß was auch an den unzähligen Retrowellen lag die in den letzten Jahren auch über die Technoszene reingebrochen sind. Man konnte in ein Techno Classic Set als DJ durchaus den ein oder anderen aktuellen Track des Labels einbauen ohne das es einer bemerkt hätte. Seit einiger Zeit ist das Label etwas aus dem Blickfeld verschwunden, die Veröffentlichungen wurden spärlicher und zudem nur noch digital bei diversen Downloadstores veröffentlicht.

Wie dem auch sei: Im Januar 2015 (also vor einem Jahr) feierte das Label 15-jähriges Bestehen und veröffentlichte zwei nette Sampler bei Bandcamp bei denen der User selbst bestimmen kann was ihm die Musik wert ist. Man kann gerne also was zahlen, man muß aber nicht und man darf gerne auch Null Euro eintippen. Beide Sampler bieten jeweils rund 80 Minuten Musik und decken den gesamten Bereich des Labels ab: Old School Techno in all seinen Facetten. Wer also Retrogefühle hat der kann die hier gerne ausleben.

Hier geht es zum Download


Sampler 1: There Is No Authority But Yourself


Sampler 2: Crack Babies Stole My Creme Shirt


PS: Schon klar - die Sampler sind ein Jahr alt und manchen erzähle ich hier nix neues, aber ich hatte lange Blogpause und muß vieles nachholen.

Free Music: Eric Baule "Revelations Adrift"


Eric Baule kommen aus Barcelona / Spanien und benannten sich nach der Kurzform des Names ihres Bandgründers und Frontmannes Eric Baulenas. Will man einen Newcomer Musikalisch irgendwie einordnen kommt automatisch ein Namedropping der Marke "klingt wie XYZ" oder "für Fans von ABC". Klar - könnte man auch hier machen, dann würde ich schreiben "die Band hat ordentlich Porcupine Tree und Riverside gehört, schalten manchmal in eine härte Gangart wie Dream Theater und lassen auch klassische Bands wie Pink Floyd in ihre Musik einfließen".

Die Frage ist: Tut man damit einer neuen Band einen Gefallen ?
Schürt das nicht eine gewisse große Erwartungshaltung ?

Im Falle von Eric Baule schürt man keine zu große Erwartungshaltung denn die erfüllt dieses Debüt mühelos und ohne Probleme. Denn hier stimmt einfach alles: Die Songs sind klasse, es ist alles trickreich arrangiert und produziert, es klingt einfach richtig gut, die Musiker können mit ihren Instrumenten deutlich hörbar umgehen und auch der Sänger (meist ja der Problempunkt bei vielen Prog-Rock Bands) ist bestens bei Stimme und singt sogar ohne Spanischen Akzent.

Deshalb kann man recht einfach sagen: Wer Porcupine Tree und Riverside mag der wird hier mit diesem Album seine helle Freude haben. Die Einflüsse sind zwar unüberhörbar, gleichzeitig sind die Jungs aber eigenständig genug um nicht als farblose Kopie durchzugehen. Hätte ich das Album einige Wochen früher entdeckt wäre es ganz sicher in meine Best-of 2015 Charts gekommen...

Das beste ist aber: Die Band haut ihr komplettes Album kostenlos raus, was Angesichts der sehr hohen Qualität schon irgendwie seltsam erscheint. Wohlbemerkt: ein richtiger Free Download, kein "pay-what-you-want" Kram. Und wie bei bandcamp üblich kann man in diversen Dateiformaten wählen, sogar Verlustfreies WAVE ist dabei.

Wer will kann die Band natürlich auch finanziell unterstützen und die CD Version bestellen die es für schlappe 10 Euro plus Versand gibt. Oder man geht hin und zieht erst den Free Download zur Probe und kauft dann die CD (um das schlechte Gewissen zu beruhigen).

Kleiner Tip: Unbedingt als WAVE runterladen da die Musiktitel nahtlos fließend ineinander übergeht und man somit diese nervigen Kurzpausen vermeidet. Beim CD brennen (falls das noch jemand macht) nicht vergessen die 2-Sekunden Pause zu deaktivieren und natürlich KEINE Lautstärkenanpassung vornehmen - sonst klingt es etwas seltsam.

Den Free Download, die Möglichkeit das Album komplett zu streamen sowie die Bestellmöglichkeit der CD findet sich bei Bandcamp

Wer noch mehr Meinungen über das Album lesen will der kann hier eine ausführliche Review bei den Kollegen von Musikreviews nachlesen und auch bei den Babyblauen Seiten gibt es eine Review.

Und zur Einstimmung hier noch das stimmungsvolle Teaservideo

Dienstag, 19. Januar 2016

Hörspiel: "Gram" von Tom Noga


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Gram Parsons ist wohl das was man einen tragischen Held in der Musikszene nennt. Er hatte Talent, konnte singen und Songs komponieren, war in diversen Genres zu Hause, er begründete mit dem "Country Rock" sogar ein eigenes Genre, er sah gut aus, nahm Drogen (was Ende der 60iger / Anfang der 70iger Jahre in Musikerkreisen vollkommen normal war) und er starb jung.

Gleichzeitig war er einer der am laufende Bande Fehlentscheidungen fällte, teilweise auch weil er zu nett war für das harte Musikbuisness. So war er Mitglied bei den legendären Byrds, stieg aber aus der Gruppe wieder aus als die sich entschloß in Südafrika eine Tour durchzuziehen (Südafrika war zu jener Zeit noch ein Staat wo Apartheid herschte - in diesem Hörspiel wird allerdings fälschlicherweise "Sun City" erwähnt, das wurde jedoch erst 1979 eröffnet). Parsons gründete Gruppen mit so seltsamen Namen wie the Flying Buritto Bros. oder the International Submarine Band die (logischerweise bei diesen Namen) keinen sonderlichen großen Erfolg hatten. Der Legende nach soll er zusammen mit Keith Richards den Song "Wild Horses" in der Wüste komponiert haben, das Copyright haben aber Jagger und Richards. Parsons veröffentlicht den Song zwar früher, den Hit hatten aber die Rolling Stones. Und selbst bei seinem Tod machte er - zynisch gesagt - einen Fehler: zwar starb er ganz Rockstarmäßig an einer Überdosis Drogen in einem Hotel, aber im Alter von 26 Jahren - ein Jahr zu früh um im Klub 27 Mitglied zu werden und damit den Legendenstatus zu bekommen. Das nach seinem Ableben sein Manager die Leiche stahl um diese dann in der Wüste zu verbrennen aber zuwenig Benzin dabei hatte damit das Vorhaben auch funktioniert ist dann noch die schwarzhumorige Fußnote.

Ein Leben wie gemacht für einen Hollywoodfilm (es gibt sogar einen - "Grand theft Parsons" der sich allerdings nur um die missglückten Leichenverbrennung dreht). Aber ein gut gemachtes Hörspiel nimmt man auch gerne mit. Autor Tom Noga bastelt aus O-Tönen, Annekdoten und Legenden ein schönes Bild der späten 60iger / frühen 70iger Jahre. Wer solche Musikerfeatures mag sollte auf jeden Fall mal reinhören.

Ausstrahlung: 10. November 2015
Länge: 53 Minuten
Produktion: WDR 2015
Regie: Thomas Leutzbach
Redaktion: Natalie Szallies

Die Webseite von 1LIVE bietet das Hörspiel zum kostenlosen Download an, wobei man zwischen einer normalen Stereofassung sowie einer 3D Stereofassung für Kopfhörer wählen kann. Ich empfehle natürlich die 3D Fassung, die ist besser.

Freitag, 15. Januar 2016

Zweimal Italo Disco im Stream


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Man liebt sie oder man hasst sie - Italo Disco, jene Tanzmusik die in den 80igern aus Italien (und nicht nur von dort) kam. Für Menschen unter 40 Jahre Lebenszeit ist die Faszination dafür wohl schwer zu erklären denn es hat schon was leicht trashiges. Wer über 40 Jahre ist und in den 80igern mehrmals Samstagsabends in der Disco war der wird sicherlich die ein oder andere Erinnerung an diese Art von Tanzmusik haben - meistens gute (davon gehe ich jetzt einfach mal von aus).

Für mich war Italo Disco der erste Berührungspunkt in Sachen elektronische Tanzmusik, ich liebe sie bis heute. Ganz vorne mit dabei das Label ZYX Records aus Meerenberg in Hessen, deren Gründer Bernhard Milkulski angeblich sogar den Begriff "Italo Disco" erfunden haben soll. Wobei die Labelarbeit von ZYX haupsächlich darin bestand von Italienischen Labels Musik zu lizensieren und diese dann hier bei uns (meist mit neuem Coverartwork) auf den Markt zu bringen. Wenn man wie ich nicht in einer Großstadt wie Frankfurt am Main oder Berlin lebte, wo es Importplattenläden gab war man froh das es eben Labels wie ZYX gab die auch uns Provinzkinder mit Musik abseits des Mainstreams versorgten. Das ZYX bei vielen einen schlechten Ruf hat kann ich zwar nachvollziehen, aber für mich persönlich war es das erste Label das ich gezielt im Plattenladen suchte, reinhörte und (meistens) kaufte. Wenn ich an Italo Disco denke dann denke ich automatisch an ZYX Records.

Das Wochenende steht vor der Tür, also Zeit für Partymusik - hier zwei verdammt gute Mixe mit eben Italo Disco die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Dreht laut auf, tanzt und habt Spaß - der Montag ist schneller da als uns allen lieb ist.....

Ronny Pries - Interstellar Disco Express Station 1


Ronny Pries kommt aus Hamburg und hat sowohl auf Superstition Records (als Snitzer and McCoy - zusammen mit Sören Schnackenberg) wie auch auf dem legendären Netlabel Thinner (als Rktic) veröffentlicht. Vor einigen Jahren (genauer - 2008) machte er diesen Megafetten Italo Disco Mix der heute noch immer wieder auf meinem I-Pod abgespielt wird - weil er so wunderbar Zeitlos ist. Dabei geht er noch nicht mal puristisch vor sondern mischt aktuelle Produktionen von Hakan Libdo mit rein, macht einen kleinen Besuch bei der klassischen 70iger Jahre Disco und hat neben den üblichen Verdächtigen (Laserdance / Koto / Max Him) auch so nette Kulthits wie "Spacer Woman" von Charlie an Bord, das bis heute noch gerne u.a. von Miss Kittin gespielt wird. Der Mix hat einfach eine zeitlose Frische und macht tierisch Spaß.
Den Mix hatte ich schon damals in meinem alten Blog vorgestellt (falls es dem ein oder anderen bekannt vorkommen sollte). Rein kam damals die Meldung über die DeBug (die links dort funktionieren allerdings nicht mehr - nur so als Hinweis).

Trackliste
01. Dante Passaglia – Aliens are human
02. Max Him – No escape
03. Newcleus – Space is the place
04. Nico Band – Let it show
05. Kirlian Camera – Communicate
06. Man Parrish – Heatstroke
07. Giorgio Moroder – The chase
08. Jackie – Under fire
09. Patrick Cowley – Invasion
10. Time – Shaker shake
11. Koto – Japanese wargames
12. Hakan Lidbo – Disco macho
13. The man from U.N.C.L.E. – Annihilating rhythm
14. Laserdance – Power run
15. Alden Tyrell – Knockers
16. Charlie – Spacer woman
17. Koto – Jabdah
18. Mike Mareen – Love spy
19. The Human League – Don’t you want me?

Interstellar Disco Express - Station 1 by Ronny Pries on Mixcloud


Speelycaptor - Muscle Mix


Tja - über Speelycaptor kann ich kaum was schreiben weil ich so gut wie keine Info über ihn habe. Laut seinem Soundcloud Account kommt der gute Mann aus Dänemark und heißt Mike Nickel mit Bürgerlichen Namen. Das war es dann auch schon an Infos.
Aber dafür ist die Musik umso besser. Er mixt sich einmal quer durch das Genre, macht einige Mash-ups und bastelt eigene Edits rein. Auch hier eine nette große, technisch perfekte Party mit vielen klassischen Hits.

Trackliste
Intro: Sun Ra (movie quote from Space is the place)
1.) X-Ray Connection - Get ready (museledit)
(Boytronic- Luna square /synthhook)
2.) Mike Cannon - Going crazy
3.) Kano - Another Life
4.) Q - the Voice of Q vs
5.) Bamboo -Spaceship crashing
6.) FrédéricMercier - Spirit
7.) Imortals - Ultimate Warlord (museledit) vs
8.) Sex Band - I've got the answer
9.) B.W.H - "Stop" (museledit)
10.) Telex - "Diskow Moskow"
(Yello - i love u)
11.) Valerie Dore - "Get Closer"
12.) Tantra - "Hills of Katmandu" (Museledit) vs
13.) Cat Gang - "Locomotive breath"
14.) Ivan - "Fotonovela"
15.) Danny Keith - "Keep on music"
16.) Lama - Nineteen Ninety three
17.) Soif de la vie - "Goddess of love" (instrumental)
18.) Ken Laszlo - "Hey hey guy" (museledit)
19.) X-Ray Connection - "Replay" (museledit)
20.) Telex - "L'amour toujors" (museledit)
(Ofra Haza - "Im 'nin alu)
21.) Koto - "Chinese Revenge" vs
22.) Fake - "Donna Rouge" (Loops) vs Jamiroquai - "Cosmic Girl" (accapella)
23.) Creatures - "Believe in yourself"
24.) Hot Cold - "I can hear your voice"
25.) Laserdance - Humanoid Invasion
26.) Doctor's Cat - "Feel the drive"
Estelle & Kanye West - "American Boy" (accapella)
27.) Cyber People - "Void Vision"
28.) Digital Emotion - "Get up"
Jackson Five: "I want you back" (accapella)
29.) Fun Fun - "Living in Japan" vs
Lipps Inc - "Funkytown"
30.) Azul y Negro - "The Night"
31.) Trans X - "Living on video"

Montag, 11. Januar 2016

Hörspiel: "Ich habe mich nie wieder so frei gefühlt" von Christian Möller


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Fotograf: Breaking The Walls

David Bowie ist tot. Nein - ich werde jetzt nicht die üblichen Lobhudeleien anstimmen sondern ganz nüchtern feststellen das er einer der Größten war, ein Musiker der bis heute eine unzählige Anzahl an Musikern / Künstler beeinflusst hat und für Millionen schlichtweg ein Idol war (und ist). Das Jahr 2016 fängt ja dann mal gut an, zudem kam die Meldung an einem Montag rein - mehr muß man nicht sagen. Nur 69 Jahre wurde er alt....Scheiß Krebs !

Ich könnte ja jetzt auf seine Unmenge an Musik hinweisen, aber das wird schon von anderer Stelle in den üblichen sozialen Netzwerken erledigt. Nein - ich weise stattdessen auf das Hörspiel "Ich habe mich noch nie so frei gefühlt" hin, das der WDR vor gut vier Wochen zur Weihnachtszeit ausgestrahlt hat (und es heute Abend auf 1LIVE um 23 Uhr wiederholt). Diese Soundstory behandelt die sogenannte Berlin Periode von David Bowie, die Jahre 1976 bis 1978 wo Bowie in West-Berlin lebte und in den Hansa Studios direkt an der Mauer zur DDR die Alben "Low", "Heroes" und "Lodger" (letzteres wurde zwar in Montreux produziert, ist aber direkt aus dieser Zeit beeinflußt) produzierte. Bowie lebte ganz normal in der geteilten Stadt, bewegte sich mit dem Fahrrad durch die Straßen, kaufte normal ein - die Berliner ließen ihn in Ruhe. Später wird er eben sagen "Ich habe mich nie wieder so frei gefühlt". Das Hörspiel ist eine Mischung aus Spielszenen und Interviews und man erfährt eine Menge über die damalige Zeit (Notiz an mich selber: "Low", "Heroes" und "Lodger" demnächst noch zulegen - die fehlen nämlich noch in meiner Sammlung).

Ausstrahlung: 11. Januar 2016 (Erstsendung 15. Dezember 2015)
Länge: ca. 53 Minuten
Produktion: WDR 2015
Regie: Thomas Leutzbach
Redaktion: Natalie Szallies

Das Hörspiel gibt es zum kostenlosen Download auf der Webseite von 1LIVE.

Ich hatte bereits irgendwann zwischen Weihnachten und Neujahr vor auf dieses Hörspiel hinzuweisen, aber irgendwie hatte ich das total verschwitzt. Dann kam mir der Ronny vom Kraftfuttermischwerk zuvor und ich habe den Artikel im Entwürfeordner versauern lassen, einfach weil ich nicht wollte das bei den Leuten da draußen in der Timeline zweimal das selbe innerhalb kurzer Zeit auftaucht. Ich weise trotzdem auf den Artikel von Ronny hin, einfach weil es sich so gehört und er das vor mir gepostet hat.

RIP David

Freitag, 8. Januar 2016

Hörspiel: "Die Wahrheit über Hänsel und Gretel" von Bob Konrad und Marcus Weber nach Hans Traxler


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Das Märchen von Hänsel und Gretel ist gar kein Märchen sondern ein wahrer Kriminalfall ? Davon ist der Archäologe Ossegg felsenfest überzeugt. Die Jornalistin Anja, die von einem kleinen Regionalblatt auf den Fall angestetzt wird ist zu Anfang skeptisch und tut das ganze als Spinnerei ab, zumal die Methoden der Nachforschung von Osseg etwas ungewöhnlich sind - bis auf einmal im Wald tatsächlich Überreste von einem Hexenhaus und ein verkohltes Skelett gefunden wird. Ist also doch was wahres an den Vermutungen dran ? Anja wird immer tiefer in die Suchaktion verwickelt und erliegt dem Charme von Ossegg - bis zu dem Tag wo sie auf einmal Spurlos verschwunden ist. Es bleiben nur die Soundfiles auf Anjas Aufnahmegerät - was ist im Wald wirklich passiert ?

Grundlage für dieses Hörspiel ist das gleichnamige Buch das von Hans Traxler verfasst wurde und in seinem Erscheinungsjahr 1963 ein kleiner Skandal war - weil Traxler diese Satire auf den investigativen Wissenschaftsjournalismus als solche nicht kenntlich gemacht hatte sondern das ganze als Tatsache verkauft hat - wer etwas mehr darüber erfahren möchte dem rate ich diesen Artikel aus dem Spiegel Archiv aus dem Jahre 1964 zu lesen.
Die Autoren Bob Konrad und Marcus Weber nehmen nun diesen "Tatsachenbericht", modernesieren ihn etwas und bauen noch die Teile mit der Journalistin Anja mit rein. Damit es nicht zu linear abläuft ist das Hörspiel als eine Art Tonbandfragment aufgebaut, denn das Aufnahmegerät von Anja hat einen technischen Defekt und schaltet sich immer wieder selbstständig ein um auch Dinge aufzuzeichnen die gar nicht zum aufzeichnen gedacht sind. Das wirkt zwar ein klein wenig wie "the Blair-Witch Project" aber die Geschichte ist so gut das dieser Umstand nicht weiter auffällt. Trotz des Themas ist "Die Wahrheit über Hänsel und Gretel" kein Kinderkram sondern ein spannendes und gut gemachtes Hörspiel das wirklich lohnenswert ist.

Länge: 55 Minuten
Produktion: WDR 2012
Regie: die Autoren
Redaktion: Natalie Szallies

Die Webseite von 1Live bietet dieses Hörspiel zum kostenlosen Download an.